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Schule

Ziele

Schule - hausgemachtes PISA-Dilemma?

Deutsch - schwedische Vergleiche sind aufschlussreich.
Auf der einen Seite der besondere deutsche Weg in der Bildung, der für Schweden lange Zeit das Vorbild war. Noch in den 50iger Jahren gab es in Schweden grundständige Gymnasien, die hier zu Lande bereits nach dem 1.Weltkrieg abgeschafft worden waren. Auf der anderen Seite beginnt Schweden Anfang der 60iger Jahre zunächst langsam einen Schulentwicklungsprozess, der sich seit 20 Jahren in einer Weise dynamisiert, die manchen Schwedenreisenden mit der Frage zurück kehren lässt: Schaffen wir den Anschluss?

In Schweden basiert die Bildung auf der Förskola. Sie wird von 75 % der Kinder zwischen eins und fünf besucht. Bei den sechsjährigen sind es 93%. Die Förskola genießt von allen Bildungseinrichtungen bei der Bevölkerung das höchste Ansehen. 83% der Pädagogen, die dort arbeiten, haben studiert. Darauf folgt die neunjährige Grundskola. Bis Klasse 8 gibt es keine Noten. Strikte Leistungsdifferenzierung untersagt das Gesetz. Die Sekundarstufe II (Gymnasium) schließlich vereinigt akademische und berufsvorbereitende Programme. Sie wird von 90% der Jugendlichen besucht. Von den Jugendlichen eines Jahrgangs beginnen über 70 % ein Studium.

Auf dem Innovationsindex der EU steht Schweden an der Spitze. Bei TIMSS und PISA war das Land vorn. Bei IGLU, der Untersuchung der Viertklässler, erreichte es Platz 1.

Ist die Zeit gekommen, dass sich Deutschland Schweden zum Vorbild nehmen sollte? Wollen die Deutschen das? Dabei suchen sich ja die Schweden ihre Anregungen in vielen Ländern, auch in den vielfältigen reformpädagogischen Traditionen aus Deutschland. Und sie haben den Schulen die Freiheit gegeben, die eine lernende Organisationen braucht, um ihre Probleme in Lösungen zu verwandeln.

Bereits in der Grundskola fallen Selbständigkeit, Gelassenheit und Zusammenarbeit der Schüler auf. Ihre Arbeitshaltung beeindruckt die Besucher am meisten. "Obwohl es bis zur achten Klasse keine Noten und keine Leistungsdifferenzierung gibt," fragen die Deutschen. Und die Schweden fragen verwundert zurück, "warum sagen Sie eigentlich obwohl?"

Als eine der folgenreichsten Veränderungen in schwedischen Schulen sieht Mats Ekholm die Einführung der Präsenz an 35 (60-Minuten) Stunden die Woche für Lehrer. Mit ihrer Anwesenheit wurde die Schule mehr und mehr zum Arbeitsplatz und Lebensort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Lehrer als Vorbild und als Schulveränderer aus Eigennutz.

Im Herbst 2001 wurde in Schweden auch das Lehrerstudium neu organisiert. Das erste Jahr studieren alle gemeinsam, gleichgültig ob ihr Ziel die Arbeit in der Vorschule oder im Gymnasium ist. Sie sollen erst mal "Lernwissenschaftler" werden. Das neue Ideal heißt, weniger die Theorie praktizieren, als die Praxis theoretisieren. Und man sagt, die Besten sollten in die Vorschule gehen.


Dieser schwedische Blick, den viele Deutsche bekanntlich nicht teilen, wird kurz vor dem Erscheinen der zweiten internationalen PISA -Studie zur Diskussion gestellt.

Leider haben die "Pilgerfahrten" zu den PISA-Siegern Finnland und Schweden den Glauben an das gegliederte Schulsystem wenig erschüttert.

Noch stärkeres Sortieren in Schularten statt individueller Förderung, Sitzenbleiben wie gehabt, zentrale Abschlussprüfungen und Anziehen der Leistungsschraube durch "messbares" Wissen und länderübergreifende Test-Vergleiche. Im Namen von PISA verkürzen fast alle Länder die Schulzeit bis zum neuen Zentralabitur auf 12 Jahre.

Derzeit verlieren zahlreiche Kinder unnötig viel Lebenszeit durch Klassenwiederholungen und den Wechsel von Schulformen. Das ist Ressourcenverschwendung!

Nicht alle Ergebnisse für Deutschland in der PISA-Studie waren enttäuschend. Natürlich gibt es eine kleine Gruppe unserer Schüler, die auch international mithalten kann. Aber die Gruppe ist nicht so groß, dass man sie als Elite bezeichnen könnte. Etwa 25% der 15-jährigen können dagegen kaum lesen und rechnen und sind beruflich kaum vermittelbar!

Elite-Universitäten nach Stoiber sind Augenwischerei! Die Kinder, die zur Elite hätten werden können, sind schon längst an unserem Schulsystem gescheitert.

Wir brauchen Schulen mit mehr Profil und Identität, Schulen, in denen sich alle wohl fühlen.

So eine Schule ist die "Laborschule Bielefeld" die der Universität angegliedert ist. Es gibt sie seit 1974 und sie orientiert sich erfolgreich seitdem am skandinavischen Schulsystem. Die Ergebnisse, die in Politik und Wirtschaft fließen, werden ignoriert!

Wie schaut es sonst so mit unserer Bildung aus? Haushaltskürzungen haben zu einer dramatischen Vergrößerung der Klassen geführt. Klassen mit 30, 35 und mehr Kindern machen es unmöglich, Verhaltensprobleme individuell zu behandeln, und führen dazu, dass die Schulverwaltungen und Lehrer nach schnellen Lösungen suchen. Darüber hinaus wurden durch Kürzungen bei Sonder-Erziehungsprogrammen die Mittel für pädagogische Berater, Spezialisten und Lehrer reduziert, die Schülern mit Problemen helfen könnten. Die Aufnahme von Schülern aus Sondererziehungsprogrammen in die normalen Klassen hat den sowieso schon überarbeiteten Lehrern eine noch größere Verantwortung auferlegt. Bei den Geldern für die G8 weiß man noch nicht, ob die in die Suppenküche gesteckt oder für Lernmaterial ausgegeben werden.

Wie soll man sich da auch noch um Hochbegabte Kinder kümmern können, die ja eigentlich unsere Elite darstellen sollten?

Grüne: Stärker individuell fördern
"Wir wollen zu einem Schulsystem kommen, wo die Kinder neun bis zehn Jahre zusammenbleiben - aber in diesem Rahmen stärker individuell gefördert werden", sagte die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Krista Sager, der "Berliner Zeitung". Zunächst die Pisa- und jetzt auch die OECD-Studie hätten gezeigt, dass Schüler so besser lernen würden als im dreigliedrigen deutschen Schulsystem.

Vorbild Skandinavien
Auch der Thüringer SPD-Chef Christoph Matschie hält einen grundlegenden Aufbruch in der deutschen Bildungspolitik für nötig. "Das dreigliedrige Schulsystem passt eher zu einer mittelalterlichen Ständeordnung als zu einer modernen Gesellschaft", sagte der Sozialdemokrat. "Die 'Schule für alle' ist viel erfolgreicher als wenn man die Kinder so frühzeitig sortiert." Der frühere Staatssekretär im Bundesbildungsministerium beruft sich dabei nicht nur auf die skandinavischen Schulmodelle - sondern auch auf die Erfahrungen aus der DDR-Zeit.

Schlechtes Zeugnis
Die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" hatte Deutschland ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Demnach gibt das Land zu wenig Geld für Bildung aus. Schüler werden unzureichend gefördert. Außerdem bringt Deutschland zu wenig Akademiker hervor.


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